GNavigia
- Höhen glätten
Gedanken um ein
schwieriges Thema (verfügbar
ab Version 2.12.12.91)

Ich schreibe praktisch nichts über nichts was ich nicht selbst
gebrauchen könnte. Vor über zwanzig Jahren hatte ich
zusammen
mit meiner damaligen Frau eine ausgesprochen spannende Radtour durch
die französischen
Alpen unternommen. Begleitet von
den Aufzeichnungen im Tagebuch und
meiner treuen Olympus OM-2
konnte ich viele Jahre später eine Geschichte darüber
schreiben und weitere 10 Jahre später die Radtour auf der
Grundlage von OSM Daten mittels GNavigia
digitalisieren und dabei Höhen aus SRTM-Daten aus einer
lokalen
PostgreSQL-Datenbank interpolieren. Großartig. Aber: Die
Höhen waren irgendwie seltsam. Und während der erste
Tag
über den Col d'Ornon und den ungleich aufregenderen Col
de la
Croix der Fer (Eisenkreuzpass)
von la Mure
nach St.
Jean de Maurienne hinsichtlich
der Tageskilometer auf 1% genau
stimmte, hatte ich für den Col d'Ornon 800 Höhenmeter
Steigung aus den großartigen Karten der Michelin
1:200000
Serie
abgegriffen - und über 1650 aus den digitalisierten Daten
berechnet.
*
Nachdem ich zahlreiche Skigebiete mittels GPS bis in die letzte Ecke
hinein vermessen habe, ist mir klar, dass nicht die
äußerst
primitive Interpolation, beschrieben auf einer eigenen
Seite,
Schuld ist an den Differenzen, sondern die mangelnde Glättung
der
Daten. Wenn man nämlich die Höhenlinien der SRTM
Daten und
die OSM Kartendaten zusammen projiziert, erhält man in
koupiertem
Gelände eine um die Höhenlinie meandrierende
Trassenführung, die ein ständiges Auf und Ab mit sich
bringt.
Dieses wiederum sorgt
für die große Diskrepanz zwischen Wunsch und
Wirklichkeit.
In ebenem Gelände ist die Höhendifferenz
übrigens fast
zu vernachlässigen, eine Glättung nahezu
überflüssig. Das
gilt auch, wenn man die Abstände zwischen zwei digitalisierten
Punkten groß hält, was den Charakter einer
Passstraße
aber eher ignoriert. Eine ähnlichen Effekt hatte ich mit den
Messdaten der 4 Runden Rad
am Ring 2010.
*
Damit ist klar, dass die Höhen geglätttet werden
müssen,
und zwar so, dass die Stützpunkte für die Lage nicht
verloren
gehen, Die Höhen müssen geeignet interpoliert
werden.
Alles, was ich hier erzähle, gilt für Höhen,
die in
geringen
Abständen digitalisiert oder aufgezeichnet wurden. In der
letzten
Zeit hat
sich, vermutlich durch das Marketing seitens Garmin und anderer
Anbieter, eine unselige Gemeinde von Verfechtern der Theorie
herausgebildet, dass die barometrische
Höhenmessung eine
großartige Sache sei. Sie
ist es nicht! Die Höhe,
die ein GPS-Empfänger mit SIRF-StarIII/IV oder MTK-3318
Hardware
ermittelt, ist ungleich zuverlässiger als eine barometrische
Höhenmessung. Der Luftdruck (und nichts anderes wird da
gemessen),
ist nicht genauer zu bestimmen als auf 10 Meter. Zudem kann er binnen
weniger Stunden um bis zu 100 Meter schwanken. Ich habe, das habe ich
schon auf anderen Seiten bekannt, meinen Garmin Vista HCx wieder
verkauft,
weil die barometrische Höhenmessung für all jene
Zwecke
völlig ungeeignet ist, wo der Empfänger freie Sicht
auf
Satelliten hat, insbesondere in baumlosen Skigebieten. Wenn sie
darüber hinaus nicht abschaltbar ist und sich das
Gerät nur
beim Einschalten selbst synchronisiert, kommt das Gerät weg!
Funktionalität
«Höhen glätten»
Die Funktionalität «Höhen
glätten» erreicht
man, sofern genau ein Track selektiert ist, aus dem Menü via Bearbeiten/Track/Höhen
glätten. Es existiert
ein Shortcut für diese Aktion. Vor
dem Start erscheint ein Dialog, der Art und Parameter der
Glättung
abfragt. Die Höhen des Tracks sind am Ende der Berechnung mit
den
neuen Werten überschrieben. Vor der Anwendung einer anderen
Funktion muss daher die Aktion rückgängig gemacht
werden
(Control+Z oder Strg+Z). Sonst arbeitet die nächste Funktion
auf
den bereits geglätteten Höhen.
Funktionalität
«Ursprüngliche
Höhen»
Ab Version 2.12.12.92
speichert GNavigia
die originalen,
ursprünglichen Höhen («genuine heights»);
darunter versteht das Programm die allererste Höhe, die
für
einen Trackpunkt gesetzt wird. Wenn Sie bei der Glättung der
Höhen angeben, dass die ursprünglichen Höhen
benutzt
werden sollen, wird auf diesen gearbeitet. Dadurch können Sie
die
Glättung mehrfach aufrufen, ohne die zuvor
durchgeführte
rückgängig machen zu müssen oder auf bereits
berechneten
Werten aufzusetzen. Außerdem können Sie nun in aller
Ruhe
darauf warten, dass Ihnen GNavigia
eines Tages eine bessere Methode zur Glättung anbietet. Die
originalen Daten bleiben prinzipiell auf immer erhalten. Um diese
Werte, die ja grob falsch sein könnten, zu
ändern, müssen Sie aber nicht von Hand in die
GTD-Datei
eingreifen. Vielmehr können Sie über den
Menüpunkt Bearbeiten/Trackpunkt/Korrigiere
ursprüngliche Höhe Änderungen
vornehmen.
Sinngemäß gilt das auch für Wegpunkte.
Über den Menüpunkt Bearbeiten/Track/Ursprüngliche
Höhen wiederherstellen wird
ein Track oder eine Liste von
Tracks hinsichtlich der Höhen wieder in den Ausgangszustand
versetzt. Sind mehrere Tracks selektiert, erfolgt zuvor eine
Sicherheitsabfrage.
Allerdings sollten Sie beachten: Wenn Sie in
älteren
Versionen Höhen interpoliert oder von Hand geändert
haben,
werden diese Höhen beim Einlesen in der neuen Version als
ursprüngliche Höhen gespeichert. Die Messwerte vor
dieser
Änderung bringt Ihnen niemand wieder zurück.
Methoden der
Glättung
Sowohl beobachtete als auch aufgezeichnete Höhen sind mit
systematischen Fehlern behaftet und stellen keine normalverteilten
Beobachtungen im Sinne der Statistik dar. Daher gibt es für
die
Glättung von Höhen auch nur sehr unbefriedigende
Modelle.
Andererseits ist die Frage natürlich erlaubt, was man mit der
Glättung erreichen will. Und das entscheidet man doch am
Besten im
«Angesicht der Reiseroute». Dies ist ein Grund
dafür,
dass die Glättung der Höhen erst so spät
Einzug in
dieses Programm gehalten hat. Denn dazu konnte man sich immer schon der
Steigungsbilder bedienen, Punkte großer Gradienten anklicken
und
die mangelhafte Höhe interpolieren lassen. Die Frage der
Glättung von Höhen ist ja auch immer die, wieviel man
am Ende
verschwinden lassen möchte.
GNavigia
benutzt zur
Glättung der Höhen bevorzugt die von Rokul und
Léger angegebene, stufenweise
und
iterativ
vorgehende Methode. Anders als die Methode nach Douglas-Peuker bleiben
die Extremwerte dabei nicht erhalten. Sie ist dazu geeignet, grobe
Fehler zu eliminieren. Ohne
allzu intensiv auf die mathematischen Grundlagen einzugehen,
sei
kurz erläutert, dass die Methode aus 4 Schritten besteht:
- Local Smoothing
(lokale Glättung) zur Begrenzung des
Gradienten auf einen festen Maximalwert. Im Parameterdialog wird dieser
in den Feldern Grenzwert
Gradient und Iterationen abgelegt.
- Mittelung der
verbesserten Gradienten. Diese erfasst nicht
nur die im Feld Zu mittelnde
Gradienten angegebene Anzahl an
Gradienten, sondern nutzt für die zweite und alle
nachfolgenden
Berechnungen die Hälfte der zuvor gemittelten Gradienten,
sodass
der Übergang zwischen den Abschnitten eher sanft
verläuft.
- Lokale lineare
Interpolation, dieser Durchgang interpoliert
iterativ verbleibende Gradienten, die den Grenzwert
übersteigen.
Außerdem werden alle Punkte erfasst, die einen alternierenden
Gradienten aufweisen. Dieser Schritt ist in besonderem Maße
werterhaltend und glättend zugleich.
- Berücksichtigung
der Nachbarschaftsverhältnisse.
Die in angegebener Nähe liegenden Punkte werden in der
Höhe
gemittelt.
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