Skifahren im Sauerland
Winterberg mit Alt- und Neuastenberg
Ich erreiche Winterberg nach 2½ Stunden Fahrt von Bonn aus
gegen halb acht. Eine Stunde später kann ich ins Appartement. Wie schon in anderen
Skigebieten bringe ich meinen Schnee selbst mit. Das führt dazu, dass ich auf den
Landstraßen im Sauerland mächtig ins Rutschen komme, sodass ich das Tempo in den oft
engen Kurven auf 30 km/h reduzieren muss.
Das «Skiliftkarussell Winterberg» ist mit den nahegelegenen Skigebieten von Alt- und Neuastenberg durch einen vorbildlichen Skibusservice mit kurzem Takt verbunden. Daher werden die Gebiete, die in der Summe knapp 10 Pistenkilometer aufweisen, zusammen mit Winterberg beschrieben.
Während in Willingen unter der Woche alle Lifte geöffnet
sind, gilt das gerade nicht für Winterberg. Zwar sind alle wesentlichen Anlagen
offen, sodass man durchaus die Charakteristik des Gebiets uneingeschränkt erfassen kann,
eine komplette Vermessung ist auch bei besten Schneeverhältnissen aber nur am Wochenende
möglich. Die Lifte 9, Bremberglift, 13, Nordhang, 18, Übungslift Herrloh II und 20, der
Rodellift Bremberg, öffnen nur am Wochenende. Daher gilt, dass sich alle Zahlen zu
Pistenkilometern, die ich ermitteln konnte, nur auf Werktage beziehen. In Alt-
und Neuastenberg ist die Relation zwischen geöffnet und geschlossen ggf. noch krasser.
Die Kartierung wurde mittels GNavigia erstellt, alle Kartendarstellungen beruhen auf OSM-BKG. Die gestrichelten Linien stellen Fahrten im Skibus dar.
Winterberg
Winterberg ist per Bus und Eisenbahn an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen,
der Bahnhof ist zugleich Endstation.
Das Skigebiet erstreckt sich zu beiden Seiten der B 236 über die Hügel von
Sürenberg, Bremberg, Poppenberg und Kappe. Die
Höhenunterschiede sind gering, die Beförderungsanlagen erstaunlich modern.
Zwei 8er-Sessel und 8 6er-Sessel versehen hier ihren Dienst,
allesamt kuppelbar. Das
die 4er und der 2er an der St. Georg Schanze fest am Seil hängen, macht sich wegen
der kurzen Seillängen nicht bemerkbar, dürfte aber am Wochenende zu Wartezeiten
führen.
Die zwei schwersten Abfahrten liegen am selben Lift. An der St. Georg Schanze erreicht das maximale Gefälle knapp 40%. Das kann man durchaus als schwarz ausweisen.
Die meisten Höhenmeter schafft der 6er-Sessel Kappe mit
gut 180 m. Er
bedient zugleich den spannensten Teil des Skigebiets. Die Pisten dort sind steil,
die Farbe Schwarz taucht allerdings nur auf, weil sie irgendwo auftauchen muss.
Die Abfahrten sind «für Anfänger anspruchsvoll» aber auch nicht mehr. Die Lage im
Wald sorgt dafür, dass man auch dann nicht im Nebel fährt, wenn sich die Wolken eng
an den Berg schmiegen. Wer gerne im Wald fährt, kommt hier auf jeden Fall auf seine
Kosten. Die Waldabfahrt ist die mit dem geringsten Gefälle und dürfte auch
Anfängern zusagen. Man erreicht die Bergstation über die Panoramabahn und fährt
zurück über Schneewittchen, dem mit 850 m längsten Lift.
Von dessen Bergstation auf dem Bremberg fährt man nicht nur via Poppenberg zurück zum Ausgangspunkt, man erreicht von hier aus auch den Parkplatz an der Hochsauerland Höhenstraße, der Haltestelle der Skibusse nach Alt- und Neuastenberg. Sie fahren auf gegenüberliegenden Seiten der Straße ab. Die Laufwege sind kurz.
Erwähnenswert ist noch, dass der Wintercampingplatz durch einen eigenen Lift, Rauher Busch, direkt an den Skizirkus angebunden ist.
Altastenberg
Von der Haltestelle bis Altastenberg fährt der Skibus etwa 2 Minuten. Er dreht zunächst im Ort und erreicht dann das Ziel. Die Haltestellen für den Skibus und den Regionalverkehr sind getrennt. Hat man den Bus verlassen, kann man nach etwa 150 Metern Fußweg ins Tal abfahren. Der Ort bildet sozusagen die Bergkuppe.
Das Skigebiet besteht im wesentlichen aus den Liften Brüchetalhang, Kapellenhang, und Westfalenhang I und II, letztere liegen auf verschiedenen Talseiten. Der 4er-Sessel am Kapellenhang dient u. a. der Rückfahrt in den Ort, während der Brüchetalhang einfachste Übungspisten erschließt.
In Altastenberg gibt es einen Steilhang, der von einem
eigenen Schlepplift erschlossen wird. Ist diese Anlage nicht in Betrieb, kann man,
entsprechende Schneelage vorausgesetzt, von der Bergstation des
Westfalenlift I aus über das Feld queren, das sich zwischen dem Schlepper
und der Rückfahrt zum Kapellenhang erstreckt. Dabei muss man darauf aufpassen,
rechts von der Bank in der Bildmitte zu passieren, weil man oberhalb eíner Waldzunge
vorbei muss, die sich aus dem Tal den Steilhang hinaufzieht und diesen nach Nordwesten
hin begrenzt.
Da sich nach bloßem Augenschein ein, allerdings sehr, sehr geringes Gefälle ergibt, unternehme ich einen Versuch, den Steilhang vom Westfalenhang aus zu erreichen. Das funktioniert recht gut. Beim dritten Mal ist die Spur gefahren und leichter zu verfolgen, auch wenn es einen Abschnitt mit leichtem Anstieg gibt. Die Querung ist, wie ich später feststelle, recht genau 330 m lang. Für eine «Runde» benötige ich gut 14 Minuten.
Danach mache ich Mittag in der kleinen Hütte unterhalb des Steilhangs. Nach zwei weiteren Abfahrten am Westfalenhang I mache ich mich auf den Rückweg zum Bus. Wenn Winterberg an einem Wochenende überlaufen ist, kann man hier einige nette Abfahrten abseits des Trubels machen.
Altastenberg/Sahnehang
Ich verlasse den Bus an der nächsten Station, dem Sahnehang. Schon die Position der Bushaltestelle, weit entfernt vom Parkplatz, suggeriert, dass man hier besser nicht austeigen sollte. So ergibt sich, dass Hin- und Rückweg zusammen deutlich länger sind als der Lift (440 m) und dessen Abfahrt (480 m), die 1:1 am Lift entlang zurück zur Talstation führt. Das war's.
Drei moderne Pistenraupen parken an der Talstation, was mir etwas überdimensioniert vorkommt. Im Skibus erzählt der Fahrer, dass der Sahnehang zum Verkauf stehe.
Neuastenberg
Das Skigebiet von Neuastenberg ist klein und wenig spannend. Von der Bushaltestelle sind es nur wenige Schritte über die Straße, dann kann man anschnallen und die Postwiese hinunterfahren. Von einem kleinen Auwer (wie man im Bergischen Land sagen würde) abgesehen gibt es keine steileren Abschnitte. Alle Pisten sind mehr oder weniger gleich flach. Zwischen dem Rodellift und den Postwiese-Liften gibt es ein freies Feld, das man nach Belieben umpflügen kann, was die Schneeverhältnisse diesmal auch zulassen. Die Piste an Tenne I (bei meinem Besuch geschlossen) als schwarz zu markieren ist Etikettenschwindel.
Sind in Neuastenberg alle Lifte geöffnet, bringt das am «Tenne-Steilhang» und an der unteren Postwiese noch ein paar hundert Meter. Die längste Abfahrt erreicht 1 km bei einem mittleren Gefälle von 12%.
Liftpläne, Markierungen, Wegweiser
Wer die Ausschilderung der Pisten in den Alpen im Kopf hat, wenn er nach Winterberg kommt, wird zunächst verwundert feststellen, dass es keine Markierungen am Rand der Pisten gibt. Das mag daran liegen, dass die präparierten Spuren als deutlich erkennbar angesehen werden. Fährt man in dichtem Nebel, wird es schon schwieriger. Allein, die fast komplette Bewaldung des Skigebiets führt dazu, dass man es auf den Pisten nicht mit Nebel zu tun bekommt: «Kein Nebel im Wald!», wie es mein Skilehrer auszudrücken pflegte.
Wegen der fehlenden Markierung gibt es folglich auch keine Schilder mit Pistennummern, obgleich auf den Wegweisern sehr wohl Nummern aufgetragen sind. Allerdings sind die Schilder sehr klein und dann noch ziemlich vollgepackt, sodass man im Vorüberfahren kaum Zahlen erkennen kann.
Definitiv krude ist der im Internet verfügbare Liftplan.
Zunächst fehlt die Angabe des Namens oder der Nummer. Das ist ärgerlich, weil man
erst auf den Lift zeigen muss, damit eine Sprechblase Nummer und Namen anzeigt.
Dabei ist die Orientierung mittels Zahlen besonders einfach, weil diese gut lesbar
an den Liften angebracht sind.
Und auch die Software lässt zu wünschen übrig: Zeigt man auf ein Objekt, für das in der Datenbank kein Name eingetragen ist, beginnt der Text in der Sprechblase mit einem Komma. Zudem ist die Schriftgröße so gewählt, dass nur kurze Namen vollständig angezeigt werden. Trotzdem verdeckt die Sprechblase jene Teile des Liftplans, die man vielleicht gerne noch sehen möchte.
Außerdem gibt es inhaltliche Fehler. So ist dem Liftplan z. B. nicht zu entnehmen, dass man, von der Astenstraße kommend, den 2er-Sessel St. Georg Schanze nur über den Quick Jet erreichen kann. Auf dem gedruckten Exemplar ist hier eine blaue Piste zu erkennen, die allerdings wie aus dem Nichts auftaucht und zudem von einer roten Piste abzweigen würde, hätte man sie nicht am Lift selbst anfangen lassen.
Vermessungsergebnisse
Am Ende des zweiten Tages habe ich alle geöffneten Pisten einmal befahren und kartiert. Ich konnte für Winterberg 19,2 km, für Altastenberg 6,3 km und für Neuastenberg 3,7 km ermitteln. Die Ergebnisse sind dokumentiert. Der Skiverbund gibt, Stand 2026, 45 Pistenkilometer an.