Ski­fah­ren im Sau­er­land

Wil­lin­gen

Nach zwei Ta­gen im Ne­bel emp­fängt mich Wil­lin­gen mit Son­ne und strah­lend blau­em Him­mel. Die nach mei­nen Kri­te­ri­en er­mit­tel­ten 12 tat­säch­lich nutz­ba­ren Pis­ten­ki­lo­me­ter war­ten mit Na­tur­schnee auf.

Sauerland - Kartierung Willingen Der Blick auf den Lift­plan ist zu­nächst er­nüch­ternd. Drei Ber­ge, vier Hän­ge und fünf we­sent­li­che Lif­te bil­den das ge­sam­te Ski­ge­biet von Wil­lin­gen, der Obe­re Wild­dieb­lift ist da schon mit­ge­zählt. Al­ler­dings hat­te mir be­reits in Win­ter­berg ein «Ein­hei­mi­scher» er­klärt, dass das Ge­biet stei­ler sei und län­ge­re Pis­ten ha­be als das un­gleich grö­ße­re Win­ter­berg. Das wä­re an Wo­chen­en­den wich­tig, wenn Win­ter­berg über­lau­fen sei: «Den meis­ten Gäs­ten ist Wil­lin­gen zu schwer, die sind bei Zei­ten auf der Hüt­te.»

Nun gut. «Schwer» wird hier si­cher an­ders de­fi­niert als in den Al­pen. Aber auch ich bin an­ge­nehm über­rascht von der Län­ge und dem Ge­fäl­le der Pis­ten. Für mein lä­dier­tes Knie kom­men mir die leich­ten Pis­ten ge­ra­de recht. Be­trach­tet man die Steil­heit, ver­bie­tet sich der Ge­brauch der Far­be Schwarz im Lift­plan, was die Be­trei­ber aber nicht da­von ab­hält, es zu tun. Ins­be­son­de­re ver­gli­chen mit den Ab­fahr­ten an der St. Ge­org Schan­ze in Win­ter­berg gibt es in Wil­lin­gen kei­ne schwar­ze Pis­te.

Am Et­tels­berg

Sauerland - Viel Schnee am Ettelsberg Der Ettelsberg be­stimmt mit sei­nem mar­kan­ten Aus­sichts­turm, dem Hoch­hei­de­turm, die Sil­hou­et­te über Wil­lin­gen. In der letz­ten Nacht sind noch ein­mal ei­ni­ge Zen­ti­me­ter Neu­schnee hin­zu­ge­kom­men. Die Käl­te hält ihn zu­sam­men, so­dass sich am Turm und an den Bäu­men bi­zar­re Mus­ter bil­den.

Der Et­tels­berg ist das Herz des Ski­ge­biets. Auf sei­ne Hö­he hin­auf führt ei­ne knapp 1,4 km lan­ge 8er-Umlauf­gon­del, das Wahr­zei­chen von Wil­lin­gen, so­wie ein 8er-Ses­sel­lift, et­wa 100 m län­ger als die Seil­bahn, de­ren Trans­port­ge­schwin­dig­kei­ten mit 15 bzw. 20 km/h voll in Ord­nung ge­hen. Von der Hö­he her­ab füh­ren die bei­den bes­ten Ab­fahr­ten des Ge­biets je­weils zu de­ren Tal­sta­tio­nen. Das Ge­fäl­le ist mo­de­rat, die steils­ten Ab­schnit­te sind für An­fän­ger an­spruchs­voll. Die­se Pis­ten lie­gen auf Nord­hän­gen, die we­gen des ge­rin­gen Ge­fäl­les den­noch von der Son­ne an­ge­knab­bert wer­den.

Sauerland - Willingen am Ettelsberg Neben den beiden gro­ßen Lif­ten gibt es noch ei­ne Rei­he klei­ne­rer, al­le­samt Schlepp­lif­te oder Lauf­bän­der, die öst­lich da­von aber eher An­fän­ger­pis­ten be­die­nen. Da­zu ge­hört auch der Obe­re Wild­dieb­lift, der ei­nen et­was stei­le­ren Ab­schnitt er­schließt. Wa­rum An­fän­ger die­sen Be­reich, in dem auch kaum Be­trieb herrscht, nicht nut­zen, bleibt mir ein Rät­sel. Es gibt so­gar ei­nen Saum na­he am Wald, wo man das Fah­ren in tiefe­rem Schnee üben könn­te, weil dort nicht prä­pa­riert wird.

An der Tal­sta­ti­on des 8er-Ses­sels zweigt die Ver­bin­dung zum Hop­pern­kopf ab. Zu­erst über­quert man ei­ne Ne­ben­stra­ße, dann führt ein kur­zer Schlep­per zu dem am Son­nen­hang, wo­zu man die Lift­spur kreu­zen muss. Das ist un­glück­lich ge­löst, zu­mal die An­ker, die zu­rück­keh­ren, so tief lau­fen, dass man schnell er­kennt, wo­für man ei­gent­lich ei­nen Helm trägt. Man muss bei­de Rich­tun­gen im Blick hal­ten.

Sauerland - Blick vom Sonnenlift auf Willingen Ich fahre den Anker zur End­sta­ti­on zwei Mal. Ein­mal um die Pis­te auf­zu­zeich­nen und ein­mal für die Zu­fahrt zur 16 a, je­ner Que­rung durch den Wald, die den Son­nen­hang mit den Pis­ten an Ritz­ha­gen ver­bin­det. Die Be­zeich­nung «Son­nen­hang» ist nur be­dingt zu­tref­fend, da die Pis­te zwar mor­gens in der Son­ne liegt, am Nach­mit­tag aber die Bäu­me lan­ge Schat­ten wer­fen. An die­sem Hang, der ab­so­lut gleich­för­mig ist, wird ei­ne ro­te und ei­ne blaue Pis­te aus­ge­wie­sen, was ich na­tür­lich nicht nach­ah­me. Wa­rum hier oben­drein auch noch un­ter­schied­li­che Schwie­rig­keits­gra­de ge­se­hen wer­den, kann ich erst recht nicht nach­voll­zie­hen.

Hat man die aben­teu­er­li­che Wald­ab­fahrt hin­ter sich, trifft man an Ritz­ha­gen auf ei­nen ge­kup­pel­ten 6er-Ses­sel, der aber auch nur ei­ne ein­zi­ge Pis­te be­dient. Ei­ne zwei­te ist im obe­ren Teil des Hangs tat­säch­lich ei­ne Al­ter­na­ti­ve, schlän­gelt sie sich doch durch den an­gren­zen­den Wald. Die­se Tras­se en­det schließ­lich an den Schie­nen der Som­mer­ro­del­bahn.

Zu­letzt ver­mes­se ich das Lauf­band, das den Ro­del­hang zur Lin­ken und die Pis­te für An­fän­ger zur Rech­ten ver­sorgt. Dann neh­me ich ein wei­te­res Mal den Ses­sel, um end­gül­tig die Sei­ten zu wech­seln. Da­zu muss man über die 16 b zu­rück zum Son­nen­hang. Hier gibt es nun ei­ne Ku­rio­si­tät. Wohl we­gen der nied­ri­gen Hö­he fand ich fol­gen­den sinn­rei­chen Spruch auf ei­nem Hin­weis­schild vor, den ich nur sinn­ge­mäß wi­der­ge­ben kann: «Vor­sicht! Ab­fahrt über Ski­mat­ten. Für die Un­ver­sehrt­heit der Skier kann kei­ne Haf­tung über­nom­men wer­den.» Of­fen­sicht­lich taut der Schnee hier schnel­ler auf, da grö­ße­re Ab­schnit­te als auf der 16 a in der Son­ne lie­gen.

Ab­schied

Der gu­te Schnee, das son­ni­ge Wet­ter und die trotz mei­ner Ver­let­zung kom­plet­te Ver­mes­sung von Wil­lin­gen las­sen mich die drei Ski­ta­ge im Sau­er­land als ge­lun­gen be­trach­ten. Als Fa­zit neh­me ich mit, dass man un­ter sol­chen Um­stän­den werk­tags durch­aus sport­li­che Ski­ta­ge er­le­ben kann. Hat man kei­ne War­te­zei­ten an den Lif­ten, kann man ei­ne Men­ge Run­den dre­hen. Der be­reits zu­vor er­wähn­te «Ein­hei­mi­sche» hat mir aber auch da­von er­zählt, dass er mit sei­nen Kin­dern am Wo­chen­en­de in Win­ter­berg oft 15 Mi­nu­ten an­steht, um dann ei­ne kur­ze Pis­te mit we­ni­gen Hö­hen­me­tern zu fah­ren: «Da kann ei­nem der Spaß ver­ge­hen.»

Dass ich an ei­nem son­ni­gen Frei­tag in Wil­lin­gen bin, mer­ke ich auf dem Park­platz an der Gon­del üb­ri­gens nicht, eben­so we­nig wie den an­ste­hen­den Ski­sprung­wett­be­werb. Mei­ner Ver­let­zung Rech­nung tra­gend be­en­de ich den Ski­tag be­reits um 14 Uhr nach nur 3.500 Hö­hen­me­tern. We­nig spä­ter fah­re ich zu­rück nach Bonn. We­gen der vie­len Ki­lo­me­ter auf Land­stra­ßen fühlt sich die knapp 200 km lan­ge Fahrt län­ger an als sie ist.

Die Ver­let­zung

Und zu al­ler­letzt noch die Er­geb­nis­se des MRTs: «In­tras­pon­gi­öses Kno­chen­mark­ödem nach mut­maß­lich kon­tu­sio­nel­ler Im­pak­ti­on im la­te­ra­len Ti­bia­pla­teau oh­ne er­kenn­ba­re, as­so­zi­ier­te chon­dra­le De­fekt­zo­ne. Aus­ge­präg­ter Knie­ge­lenk­er­guss Punc­tum ma­xi­mum im Re­ces­sus su­pra­pa­tel­la­ris. Zweit­gra­di­ge Chon­dro­ma­la­zie zen­tral im me­dia­len und la­te­ra­len fe­mo­ro­ti­bia­len Kom­par­ti­ment so­wie an der Fa­cies re­tro­pa­tel­la­ris la­te­ra­lis.»

Völ­lig kor­rekt: Da­zu ha­be auch ich kei­ne Fra­gen mehr. Die Bän­der und der Me­nis­kus sind nicht be­trof­fen. Es gibt zu­dem ei­ni­ge Al­ter­ser­schei­nun­gen, was ich gar nicht wis­sen woll­te. Die Schmer­zen wer­den wohl erst ein­mal blei­ben.