
Am nächsten Morgen weckt mich der angenehme Geruch von frisch
gebratenem Fisch. John kennt sich damit aus, ohne Frage. Und es grenzt
an ein Wunder, wie er nach dieser Menge Bier so früh aufstehen
konnte.
Ich krieche aus dem Zelt, strecke die vom Schlaf auf hartem Boden
steifen Glieder:
«I call them Hommingberger's cheetah trout,» sagt John und
hält mir
triumphierend eine besondere Forellenart unter die Nase. Es ist auch
weniger die
Form als vielmehr das Schuppenkleid, das so seltsam anmutet. Der Fisch
ist seltsam gescheckt und schillert dazu gelblich.
*
Ich
suche nach einer passenden Übersetzung, brauche aber zunächst
eine
Erläuterung von John:
«
Cheetah is sometimes called a
hounting-leopard,
it is
smaller than a leopard.»
Gepard habe ich herausgefunden, aber das einzige,
was mir
zu Hommingberger einfällt, ist, den Genitiv im Deutschen
wegzulassen
und das seltsame
Tier als
Hommingberger Gepardenforelle zu übersetzen. Mit
dem
Genitiv nimmt es ja ohnehin niemand mehr so genau..
*
John und der Professor müssen zusammen zahlreiche Touren
unternommen
und dabei einiges an Fischen weggefangen haben, wenn ich seinen
Berichten Glauben schenken darf. Der Professor ist heute tot und alles,
was von ihm geblieben ist, sind ein paar zweifelhafte
Veröffentlichungen und diese unaussprechliche Namensgebung
für eine
exotisch anmutende Forellenart. Dabei möchte ich bezweifeln, dass
es
der Fisch zu einer Karriere in den zoologischen Lehrbüchern
bringen
wird.
*
Wie dem auch sei. Wir sind hungrig und
machen alles nieder, was John am frühen Morgen gefangen hat. Er
erzählt
mit vollem
Mund, dass es die
Hommingberger Gepardenforelle nur in zwei
Seen gäbe, dem
Loch Voil und im Glen Affric: «Very special kind of fish, very
special.
Maybe, the trout needs a
special environment to survive.»
*
«Vielleicht», denke ich bei mir, nicht ahnend, dass mir
25 Jahre später der
Fisch noch einmal über den Teller gezogen werden soll.