Digitale Spiegelreflex Kameras
Die konsequente Fortsetzung der analogen Fotografie
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Seit Ende März 2007 wird unsere
Fotosausrüstung um eine
Digitale Spiegelreflexkamera ergänzt, eine Sony Alpha 100.
Nach
der Anfrage eines Lesers habe ich meine Sicht auf die Fortentwicklung
der Spiegelreflexkameras etwa wie folgt vermittelt:
«Sehr geehrter Leser,
ich möchte gleich vorausschicken, dass die allermeisten Bilder
unserer Homepage, so etwa 1000 an der Zahl, mit herkömmlichen
Methoden
aufgenommen wurden, wobei ich daran aber zunehmend den Spaß
verliere.
Seit wenigen Wochen habe ich nun eine digitale Spiegelreflex (DSLR) und
muss sagen, dass so ein Teil ein Tor zu einer anderen Welt
aufstößt.
Eine gute Haltbarkeit vorausgesetzt, die ich nur insoweit testen
konnte, als das
Gerät mir sechs Tage durch Zermatt gefolgt ist, ein Skigebiet, das
wir
aber auch auf den härtesten und schwersten seiner Pisten ausgiebig
befahren! Ich denke, die Bilder am Stockhorn
sprechen
für sich.
*
Ein wesentlicher Vorteil der digitalen Fotografie ist,
dass man nicht mehr darauf angewiesen ist, was ein mäßig
begabter
Fotolaborant an einer mäßig klug gebauten automatischen
Entwicklungsanlage aus den Fotos macht. Wenn Sie dennoch Abzüge
machen
lassen (und das sollten Sie allein aus Gründen der Haltbarkeit der
Abzüge tun), dann haben Sie nur noch einen Umkehrprozess,
übrigens
einen, bei dem man auch noch Einiges versauen kann. Wenn Sie dasselbe
Bild an verschiedenen Tagen zur Entwicklung abgeben, werden Sie
verschiedene Ergebnisse bekommen.
Sie schreiben, dass Sie eine digitale Spiegelreflex suchen.
Ich kann Sie zu diesem Entschluss nur beglückwünschen.
Sicherlich
ist eine DSLR noch schwerer als eine SLR, denn dem leichten Film steht
ein äußerst schwerer Akku gegenüber, sowie die Einheit,
die das Bild
aufnimmt. Je nach Ausführung, und auf diesen Fakt lenke ich Ihr
besonderes Augenmerk, kann die Einheit eine piezzoelektrische
Staubentfernung und einen beweglich aufgehängten CCD-Sensor
enthalten,
was zwar von unschätzbarem Wert ist, allerdings auch von einem
gewissen
Gewicht. Aber eine DSLR besitzt etwas, was eine "kleine" Sucherkamera
(oder
wie immer man das nennen will) nicht hat, sie besitzt einen Chip im
APS-Format, der wegen seiner Größe eine enorme
Lichtempfindlichkeit
besitzt. Das versetzt Sie in die Lage, auch unter schwierigen
Lichtverhältnissen differenzierte Fotos zu machen. Außerdem
kennt diese
Kamera den Begriff "Tiefenschärfe", der den kleinen Kameras wegen
der
ultra kleinen Sensoren und der winzigen Optiken nahezu abhanden
gekommen ist.
Die Auflösung der Kamera sollte, auch noch bei
Vergrößerungen der
Abzüge knapp über 20x30cm, eine gute Auflösung bieten:
Praktisch alle DSLR Kameras haben heute etwa 10 Megapixel
Auflösung. Ich kann Ihnen versichern, jedes Pixel mehr ist
völliger
Unsinn, weil Sie dann nur noch nachweisen können, wie schlecht die
Objektive wirklich sind! Die kleinen Kameras mit ihren 10 Megapixel
sind wegen der geringen Lichtempfndlichkeit des einzelnen Pixels
bereits derart überpixelt, dass Sie unter schwierigen
Lichtverhältnissen überhaupt keine brauchbaren Ergebnisse
mehr liefern,
es sei denn, sie reduzieren die Auflösung hierfür auf ein
Viertel!
Wenn Sie gerne Nachtaufnahmen machen, kommen Sie um eine DSLR daher
ohnehin nicht herum. Ich habe die Kodak
DX7590 bereits erwähnt. Um auf
ein Format von 2:3 zu kommen, betreibe ich die Digitalkamera, deren
nominelle Auflösung 5 MP beträgt, mit 4,4 MP. Im Format 10x15
gibt das
großartige Bilder! Nachtaufnahmen habe ich bisher weiterhin mit
der
Olympus OM-2 gemacht. Das geht mit der kleinen Kamera gar nicht.
Bilder bewegter Objekte und Makroaufnahmen sollten ebenfalls
möglich
sein:
Verschlusszeiten bis 1/8000 Sekunde sprechen für sich. Bei der
Sony
Alpha 100 können Sie die Verwacklungskompensation abschalten, wenn
Sie
schnell bewegte Objekte fotografieren wollen. Makroaufnahmen sind eine
Frage des Objektivs und des Zubehörs. Hier gibt es zurzeit weniger
Auswahl als zu analogen Zeiten, allerdings besitzen die meisten
Objektive eine gewisse Makrofähigkeit. Lassen Sie sich hier im
Fachhandel beraten.
Der Preis sollte zwischen 500 und 1200 Euro liegen:
In diesem Segment gibt es zahlreiche Kameras. 1000 Euro sollten Sie
anlegen, sie haben am Ende mehr davon! Alle Wettbewerber liegen dicht
beisammen; ich verfüge leider nicht über eine Liste
derselben. Darüber
steigt der Preis auf mehr als das Doppelte und dann ist die Frage
wichtig: Kann ich als Paparazzo einem Bodyguard damit die Zähne
ausschlagen, wenn er mich angreift? Ich denke, dass das für Sie
von
untergeordneter Bedeutung ist. Sicher ist, dass Kameras heute oft nur
noch 4-6 Monate aktuell sind, dann kommt das Nachfolgemodell. Sie
müssen daher die Augen offen halten!
Anmerkungen zur meiner eigenen Kaufentscheidung:
Ich gehöre zu jenen Personen, die zuerst einen Test (Stiftung
Warentest oder ein Sonderheft der Zeitschrift C't, Fotomagazin oder
dergleichen oder auch zugleich) zu Rate ziehen, bevor sie eine Kamera
kaufen. Dachte ich,
aber die Sony Alpha 100 habe ich auf folgende Art und Weise entdeckt:
Im
Rahmen einer Familienfeier habe ich eine Kamera in die Hand bekommen
und bei Gegenlicht ohne Blitz ein recht hübsches, gut
durchgezeichnetes
Foto gemacht. Das Display sagte: 80mm Brennweite, 1/30 Sekunde
Verschlusszeit. Umgerechnet in heutige Verhältnisse (APS-Sensor:
1,5-fache Brennweitenverlängerung) bedeutet das 120mm Brennweite.
Machen Sie so ein Bild unter gleichen Voraussetzungen einmal mit
nichtdigitalen Geräten aus der Hand!
*
Wie immer im richtigen Leben kommt es aber auf die
Verhältnismäßigkeit an, denn wer mit ruhiger Hand und
völlig
unaufgeregt vorwiegend Bilder im hellen Sonnenschein macht, dem wird
eine Verwacklungskompensation nicht viel bedeuten und objektiv gesehen
auch nichts nützen. Wer aber nach 800
Höhenmetern Buckelpiste auf einem ohnehin schon wackelig ruhenden
Snowboard im Stehen über Hindernisse hinweg eine Gams
fotografieren
will, der kann nicht
warten, bis sich die Hand beruhigt hat.
*
Ich bin in ein Fachgeschäft gegangen und habe eine Kamera sehen
wollen, die eine "brauchbare Verwacklungskompensation" habe und unter
1000
Euro koste: "Da bleibt zurzeit nur die Sony, wenn Sie die Kompensation
nicht für jedes Objektiv einzeln kaufen wollen, sondern der Sensor
selbst als Kompensator ausgeprägt ist.", kam die Antwort. "Gute
Beratung," habe ich dem Verkäufer geantwortet, "das hätte ich
nach
meinen Recherchen auch nicht besser sagen können!" Sicher ist aber
auch, dass sich in dieser Richtung bald einiges tun wird, die
Kamerahersteller haben das Thema Verwacklung kompensieren
völlig zu Recht als
Marketingargument entdeckt.
*
Ob Sie sich am Ende für eine Sony (hier wurde eine Konica-Minolta
"umgelabelt"), Nikon, Canon, Pentax oder Fuji entscheiden, ist oft auch
Geschmacksache. Die Olympus four-thirds ist kompakter und leichter, hat
aber auch ein anderes Format, einen kleineren Sensor und dadurch
bedingt auch ein deutlich kleineres Sucherfeld, einen geringeren
Signal-Rausch-Abstand und hinkt in der Bildqualität ein wenig
hinterher, obgleich die bauartbedingt kleineren, genau für diesen
Zweck
berechneten Objektive eine höhere Abbildungsqualität liefern
können.
Ich selbst besitze vier analoge, sehr zuverlässige Olympus OM-2,
konnte
mich für die four-thirds Serie aber nach allen bisher gelesenen
Testberichten nicht wirklich erwärmen. Während bei anderen
Kameras oft
zumindest modernere Autofokusobjektive von älteren Kameras benutzt
werden können, ist das bei der Olympus nicht der Fall.
*
Der große Nachteil der DSLR ist die Staubempfindlichkeit. Anders
als beim Film, der durch den Transport für ein stets neues,
staubfreies Aufnahmematerial sorgt, liegt ein Staubkorn auf dem
CCD-Chip mit etwas
Pech sehr lange dort und verdirbt zahlreiche Fotos, die dann der
Nachbearbeitung bedürfen. Ich habe das Problem so gelöst: Ich
habe auf
das Standardobjektiv (18-70mm, bei Canon 18-55mm) verzichtet und ein
18-200mm Objektiv
gekauft. Vorteil: Kein Objektivwechsel, kein Staub. Nachteil:
Zoomobjektive der 11-fach Klasse haben unweigerlich eine etwas
geringere Abbildungsqualität in allen Brennweitenbereichen als
Spezialobjektive. Nach etwa 400 Fotos bin ich mit der Ausbeute aber
durchaus zufrieden, zumal ich ohnehin viel mit der Telebrennweite
agiere.
*
Die Bildverarbeitung der Sony liefert
durchweg weichere Bilder als die auf Farbkontraste getrimmte Kodak
DX7590. Hier gibt es sicher noch bessere Software. Nachbearbeitung ist
daher Standard, insbesondere Innenaufnahmen
ohne Blitz könnten etwas kontrastreicher sein, was man erkennt,
wenn
man das Histogramm nachberechnen und das Bild verbessern lässt.
*
Apropos
Blitz: Auf der Sony können Sie ältere Blitze nicht verwenden,
was man
schon daran sieht, dass der Blitzschuh grundlegend anders ist als von
früher bekannt. Ein Systemblitz ist teuer. Allerdings reicht der
eingebaute Blitz auch einige Meter weiter als der der Kompaktklasse,
sodass man dessen Grenzen austesten sollte, bevor man etwa 400 Euro
für
einen Blitz bezahlt. Andererseits zeigt sich der Rote-Augen-Effekt vor
allem dadurch, dass die eingebauten Blitzgeräte nahe der optischen
Achse liegen. Mit einem Zusatzblitz, der eine entsprechende
Größe
(Bauhöhe!) hat, reduzieren Sie dieses extrem unansehnliche
Verhalten
auf ein Minimum. Diese Blitzgeräte, von denen es bei
Fremdanbietern oft
recht günstige und dennoch voll kompatible Ausführungen gibt,
fokussieren ggf. auch den Blitzstrahl, weil sie die aktuelle Brennweite
von der Kamera übermittelt bekommen und den Reflektor verschieben
können. Dadurch lassen sich auch Punkte jenseits der maximalen
Reichweite sauber ausleuchten. Aber Vorsicht: Ein Halbporträt
über 10
Meter hinweg, mit einem 200er Tele fotografiert, wird wieder rote Augen
zeigen. Zudem beherrschen diese Blitze oft nicht den Vorblitz.
Erkundigen Sie sich!
*
Der große Nachteil der digitalen Fotografie im Allgemeinen ist,
dass sie digital ist. Wenn Sie das USB-Anschlusskabel einer Kamera von
einem Rechner einfach so abziehen, dann kann das lange gut
gehen, es
kann aber auch dazu führen, dass das Dateisystem auf der CF-Karte
zerstört wird. Das hatte ich auch schon, weil ich diesen Effekt
von den
SD-Cards und der Kodak nicht kannte. Bilder habe ich nicht verloren,
aber es war kurz
davor! Nachdem ich die bis dahin gemachten Bilder auf den Rechner
kopiert hatte war die Karte reif zum
Neuformatieren! Die Bilder, die ich noch auf der Kamera wähnte,
lagen
so einige Tage ohne Sicherungskopie auf
dem Rechner.»
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Aktualität:
April
2007
Blitzgeräte: April 2009
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