Nun hat sich meine Frau sicherlich nicht
träumen lassen,
daß
ich, kaum auf den zwei Brettern stehend, schon fast wieder mit dem Skifahren
aufhören würde. Aber die neue Leidenschaft, das Snowboard,
hat
es in sich. Ich liebe die freien Schwünge, das Brett fest an
beiden
Füßen, und die elegante Art, sich auf dem Board
fortzubewegen.
Zwar sind die Geschwindigkeiten niedriger, die Ziehstrecken werden zu
Laufstrecken
und die Stürze sind deutlich härter als beim Skifahren - aber
was soll's?.
*
Ein
seltsames Quartier haben wir da mit dem Derby erwischt. So
vergnügen
wir uns also 4 Tage in einem gemütlichen 4-Bett-Zimmer der
Kategorie „ohne Flöhe und Läuse“. Alles andere hat etwa die
Qualität
einer italienischen Berghütte oberhalb 3000 m Höhe. Mit einem
Unterschied: Das Essen ist dort besser, der Wein süffiger - und
das
Lager härter.
Nachdem ich mich also von dem Kulturschock erholt habe, die
Koffer notdürftig ausgepackt sind und der erste Schluck Calvados
durch
die Kehle gelaufen ist, essen wir zu Abend. Etwas weniger Streusalz
würde
dem Koch durchaus gut zu Gesicht stehen. Wir werden auch hier mit der
bosnischen
Realität konfrontiert. Denn die Mädchen, die hier bedienen
(und
zum Teil auch das Salz streuen), arbeiten für ihre Verwandten in
Bosnien,
einem Teil des ehemaligen Jugoslawiens. Es ist Bürgerkrieg in
Europa.
*
Der erste Tag beginnt ohne Sonne und auf betonharter Piste. Ohne das
richtige
Training und ohne Vorbereitung bin ich den Anstrengungen und
Stürzen
dieses Tages kaum gewachsen. Ich fahre den fünften Tag Snowboard
und
meine Bögen sind so eckig, daß sich Skaty für
eine
Fahrt meiner erbarmt. Er zeigt mir einige Tricks, um die Richtung
besser
bestimmen zu können. Und so lerne ich unter Schmerzen, wie man mit
der Hand die Fahrtrichtung vorgibt. Und tatsächlich bewegt sich
das
Snowboard in die richtige Richtung. Wir bleiben den ganzen Tag am
Rinderberg,
dem Hausberg von Zweisimmen, was im Volksmund später als „Rinderwahnsinn“
bezeichnet werden wird.
Weitere Dramen
Ich unterwerfe mich der harten Schule des Mitfahrens: In diesem Urlaub
lerne ich zum ersten Male das Fahren mit dem Ankerlift. Ewig in
Erinnerung
bleibt auch:
- Die Fahrt von Saanenmöser hinab nach St.
Stephan,
von
wo wir im Schneesturm mit zwei sehr langen Ankerliften
zurückfahren
müssen und ich mich nur noch an meine Frau anklammern kann. Danach
grabe ich mich im Tiefschnee ein.
- Nach bangen Minuten tauche ich wieder auf. Wenig
später
stürzt
sich eine Begleiterin in einen schlecht abgesperrten, vier Meter tiefen
Trichter.
- Unser Guide wird von Snowboardern in die Zange
genommen und
angefahren,
wobei allerdings nur Sachschaden entsteht.
- Ein Mädchen der Reisegruppe wird von einem
querfahrenden
Snowboarder
in den Wald bugsiert, was den Rettungshubschrauber auf
den
Plan ruft. Der Aufenthalt im Krankenhaus ist zum Glück nur kurz.
Erst
viel später erfahre ich, dass der Unfall bleibende Schäden
und
langwierige Gerichtsverfahren nach sich gezogen hat.
Tags darauf versuche ich am Eggli in Gstaad eine
Tiefschneepiste
zu fahren, was in einem Desaster endet. Unverletzt, aber völlig
fertig,
entkomme ich der Quälerei.
*
Vier Skitage reichen für eine
Menge
Aufregung!
*
Von all dem existieren (noch) keine Bilder, da ich mich auf dem
Snowboard
nicht so sicher fühle, daß ich eine Kamera mitnehmen
würde.
Aber auch das wird sich ändern... |