Normalwege
Oder was wir dafür halten...
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Ich
nenne ihn den «Wältischen Normalweg» vom Schindlergrat
hinunter
zur Ulmer Hütte. Das Bild zeigt die Abfahrt im Abendlicht. Am
linken
Bildrand ist die reguläre Piste zu erkennen. Diese nicht markierte
Skiroute startet dort, wo die Zäune entlang der Piste am Ausstieg
des
Schindlergratlifts enden. «Links raus!» kommt das Kommando
von Felix - und schon stehen wir über dem Abgrund. Auch Sebastian,
11 Jahre alt, will mit. Der Schnee greift und es gibt kein Eis weit und
breit. Also darf er mit. Es ist eine echte Herausforderung: «Kuros1
wird uns beschützen», sagt Sebastian, dann ist er mit
seinem
Snowboard auch schon unterwegs.
*
Einige Jahre später stehen wir
wieder am
Einstieg zu unserem «Normalweg». Diesmal fährt
mein Sohn bereits wieder auf Skiern hier herunter - er hat das
Snowboardfahren aufgegeben, «weil es zu mühsam sei»,
wie er sagt. Diesmal fängt eine digitale Spiegelreflex die Szene
ein. Dramatischer als damals empfindet keiner von uns diese steile
Buckelpiste, über die ein Arbeitskollege, der einmal dabei war,
als ich in den Pfeiler einfuhr, später erzählen wird:
«Wo der mit dem Snowboard runterfährt nehmen andere einen
Fallschirm».
*
Es ist die Sicht auf die Dinge, die
Legenden
entstehen lässt. Man kann die Piste so oder so betrachten. Die
Steigung ist immer dieselbe, aber auf dem linken Bild wirken die Buckel
flach und die Skifahrer fast ein wenig gelangweilt. Dabei ist das Foto
im steileren oberen Drittel der Skiroute entstanden.
*
Wir fahren hier in ein Revier hinein, das man nur mit
einem Blick auf die Lawinenwarnungen betritt. Allerdings
überlassen die Verantwortlichen hier niemanden sich selbst. Wenn
die Abfahrt nach Neuschnee zu gefährlich erscheint, wird sie
gesperrt, was Lebensmüde jedoch kaum davon abhält, sie zu
befahren. Ich nenne diese Route auch deshalb den
«Normalweg»,
weil es einen noch aufregenderen Weg gibt.
*
Rechts: Noch heißer (weil enger und etwas
steiler)
wird es,
wenn man die Skier und das Snowboard abschnallt und unter der
Bergstation
des Lifts hindurch kriecht. Das ist wörtlich zu nehmen, da der
Schindlergratlift
halb auf Felsen und halb auf einer Stahlkonstruktion errichtet ist. Die
ganz hart gesottenen Skifahrer machen sich klein und klettern zwischen
den Stahlträgern hindurch wieder ins Freie. Immer im Angesicht der
Ulmer Hütte geht es von dort durch eine steile Rinne hinunter ins
Tal. Darf man zugeben, selbst schon mal hier gefahren zu sein?
1
Ich habe Kuros kurzerhand zum Gott der Pisten ausgerufen. Man
huldigt
ihm, indem man das gleichnamige Eau de Toilette aufträgt, das mich
seit dem ersten Tag auf Skiern begleitet. Ich finde, es riecht so
draufgängerisch
und männlich. Mehr... |
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