Sölden

Bebilderte Vorgeschichte


Am «Ski fahren à la Sölden» solle man sich in Sankt Anton ein Beispiel nehmen, lese ich einem Forum. Aber was soll man darunter verstehen? Ist es exzessives Après-Ski? Sind damit die leichten Pisten am Giggijoch gemeint oder das Abcarven auf dem Gletscher? Oder ist es ein durch agressive Werbung bedingtes Bild vom Ski fahren, das mehr verspricht als es aufgrund der fahrerischen Fähigkeiten der Protagonisten zu halten imstande ist, weil diese sich mit Stars identifizieren, von deren Talent sie selbst Lichtjahre entfernt sind? So viel sei vorab verraten: Mein Aufenthalt in Sölden hat diese Frage nicht abschließend klären können.
Sölden*
300 Skitage und 13 Winter nach meinem ungelenken Start in  Flachau komme ich zum ersten Mal nach Sölden. Als ich eine Woche später wieder fahre, tue ich das angetan von einem hinreichend anspruchsvollen Skigebiet, begeistert von dem für die Jahreszeit und für gute Skifahrer exellenten, sulzig weichen Schnee, verwöhnt vom ordentlichen Frühstücksbuffet im Haus Concordia, nahe der Giggijochbahn zentral und doch ein wenig Abseits vom großen Trubel gelegen, verausgabt nach zahllosen zügig gefahrenen Pistenkilometern und verärgert über das Verhalten der Bergbahnen gegenüber ihrem Kunden. SöldenZu den Details komme ich im Laufe dieser Geschichte.
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Normalerweise sind neu besuchte Skigebiete nach wenigen Tagen «online», aber so aufregend ist Sölden für mich nun auch wieder nicht, dass ich den Text nicht zurückgestellt hätte für das ungleich spannendere Thema der Bestimmung von Pistenlängen mittels GPS, das auch nach sieben Monaten noch nicht vollständig abgeschlossen ist. Und so komme ich erst wenige Tage vor Weihnachten 2006 zum Schreiben, gestützt auf eine Art provisorisches Tagebuch, das ich Ende März vor Ort minutiös verfasst habe. Hätte ich damals auf den Wetterbericht gehört, wäre ich sicher nicht gefahren, zu unbeständig würde es werden, hieß es und so war es dann auch. Aber wer bei Wind und Wetter fahren kann, der kann sich auch mit Nebel und Schneefall auseinandersetzen. Ski fahren ist halt das, was die Briten «the great outdoors» nennen. Und so bin ich an zwei von sieben Tagen ziemlich einsam auf weiter Flur unterwegs.
Sölden*
Ich bin zu einer Zeit in Sölden, in der vor allem Osteuropäer und andere Enthusiasten des Après-Ski die Szene prägen, aber nicht die Familien. Und da ich die in den Liften vorherrschende Sprache nicht spreche, halte ich mich an den MP3-Player, den ich auf Anraten meines Sohnes eingesteckt habe. Dass mich meine Frau allein fahren lässt in dieses eher für seine Skihaserl als für seine Skifahrer bekannte Gebiet, zeugt von einem gewissen Vertrauen. Und natürlich erhalte ich die Erlaubnis auch erst, nachdem ich einen Schwur ablege, dass ich mich vom tiefnächtlichen Treiben und von den Striptease Bars an der Hauptstraße fernhalte. Nach einer Nachtfahrt von sieben Stunden und 650 Kilometern (mit einem kurzen Boxenstopp zum Auftanken gegen drei Uhr) fällt mir das am ersten Abend auch nicht sonderlich schwer, zumal die Zeit umgestellt wird und die Nacht eine Stunde kürzer ist als gewöhnlich.

Übersicht/OverviewÜbersicht/Overviewdeutsche Version Aktualität: März 2006