Söl­den

Ein Pa­n­ora­ma an Er­leb­nis­sen

SöldenAls ich den Ski­pass kauf­te, hat mich nie­mand dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es ge­gen Auf­preis ei­nen Tag Ski fah­ren in Ober­gurgl hin­zu­gibt. Als ich es mer­ke, ist der Pass be­reits be­nutzt und mei­ne Re­kla­ma­ti­on kommt zu spät. Pech, könn­te man sa­gen, aber wenn man ei­nen 7-Tage-Ski­pass kauft, könn­te man auch da­von aus­ge­hen, dass man or­dent­lich be­ra­ten und auf sol­che An­ge­bo­te hin­ge­wie­sen wird. Ich bin das zu­min­dest von der Schweiz ge­wohnt, wo man an den Kas­sen un­auf­ge­for­dert auf Fa­mi­li­e­ner­mä­ßi­gun­gen und der­glei­chen hin­ge­wie­sen wird. Als ich das zur Spra­che brin­ge, heißt es, dass man «ei­ne so in­ten­si­ve Be­ra­tung nicht leis­ten kön­ne. Dann wä­ren die Kas­sen so­fort über­las­tet.»
Dass vier Per­so­nen ge­lang­weilt in ih­ren Kas­sen­häus­chen sa­ßen, als ich die Kar­te kauf­te, ent­larvt das Ar­gu­ment als fa­den­schei­nig. Ich las­se mich nicht ger­ne ab­wim­meln und kom­me im­mer­hin so­weit, dass ich den Chef der Kas­se an die Te­le­fon­lei­tung be­kom­me. Als ich mich über die man­geln­de Be­ra­tung be­schwe­re, heißt es: «Mit die­sem Vor­wurf kann ich sehr gut le­ben.»
Ich mag die Hä­me in die­sen Wor­ten nicht und wer­de im Bü­ro der Berg­bah­nen vor­stel­lig, um die Sa­che zu klä­ren, aber statt des­sen be­kom­me ich zu hö­ren, ich hät­te hier je­man­dem «die Wor­te im Mund um­ge­dreht». Da­mit ist das Ge­spräch fak­tisch be­en­det. Hier steht letzt­lich, ju­ris­tisch ge­se­hen, Aus­sa­ge ge­gen Aus­sa­ge.
Un­miss­ver­ständ­lich be­kom­me ich zu ver­ste­hen, dass man bei zwei Mil­lio­nen Kun­den pro Jahr auf ein­zel­ne gut ver­zich­ten kann. Die Ver­mu­tung liegt na­he, dass Ost­eu­ro­pä­er zu­neh­mend die deut­schen Kun­den er­set­zen, was es noch leich­ter macht, Be­schwer­den ab­zu­wim­meln. Ich be­schlie­ße, mich an vor­ge­setz­ter Stel­le über die­se Art des Kun­de­num­gangs zu be­kla­gen.
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Ich zi­tie­re an die­ser Stel­le das Ta­ge­buch, das die Stim­mung von da­mals recht gut ein­fängt: «Ich tref­fe auf den Chef der Berg­bah­nen Söl­den, der sich mit dem An­lie­gen, das ich ihm vor­tra­ge, be­reits be­schäf­tigt zu ha­ben scheint. Er er­klärt mir, dass das Abrech­nungs­mo­dell kei­nen Spiel­raum zulie­ße. Ich er­zäh­le ihm von mei­nem Te­le­fonat mit dem Chef der Kas­se und auch da­von, dass ich ihn be­reits auf­ge­sucht hat­te und ihm er­klärt hät­te, dass der Satz über den Vor­wurf man­geln­der Be­ra­tung ei­ne Un­ver­schämt­heit ge­gen über Kun­den be­deu­te. Der Chef der Berg­bah­nen lässt kei­nen Zwei­fel dar­an, dass er den Tag in Ober­gurgl nicht ver­gü­ten wird, ver­spricht mir aber, dass er mit der Kas­se das The­ma 'Um­gang mit Kun­den' noch dis­ku­tie­ren wird».
Sölden*
Ich glau­be auch, aus den Ge­sprä­chen mit den Verant­wort­li­chen der Berg­bah­nen her­aus­zu­hö­ren, dass sie den Ta­ge­spass Ober­gurgl nicht be­son­ders schät­zen. Das passt naht­los zu mei­nen Er­fah­run­gen. Da­bei soll­ten sich mei­nes Erach­tens Söl­den und Ober­gurgl oh­ne­hin un­ter ei­nem Ski­pass zu­sam­menschlie­ßen, wo­durch sich die At­trak­ti­vi­tät bei­der Ge­bie­te er­heb­lich stei­gern lie­ße. In Zei­ten im­mer grö­ßer wer­den­der Lift­ver­bün­de wirkt die Ab­ge­schot­tet­heit zwei­er al­lein nur mä­ßig span­nen­der Ski­ge­bie­te ana­chro­nis­tisch.
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Was aber be­son­ders är­ger­lich ist, weil An­de­re vor­ma­chen, dass es auch an­ders geht, ist ein Schild an ei­ner Ski­pass­kas­se auf dem Tie­fen­bach­fer­ner: «Skipäs­se hier. Ver­lo­re­ne Skipäs­se wer­den nicht er­setzt!». Das passt gut ins Bild, das ich vom Vor­ge­hen der Berg­bah­nen ge­won­nen ha­be. Da­bei könn­ten die Skipäs­se oh­ne Wei­te­res ge­gen Vor­la­ge ei­ner ko­dier­ten Quit­tung ge­sperrt und er­setzt wer­den. Zer­matt und Sankt An­ton kön­nen das und wei­sen ih­re Kun­den beim Kauf auch ex­pli­zit dar­auf hin, die Quit­tung für die­sen Fall gut zu ver­wah­ren. Ver­lo­ren sind nur ein paar Fran­ken oder Eu­ro Pfand für die Kar­te. Vor­bild­lich!