Après-Ski

«Nach dem Ski fah­ren»

Sölden«Après-Ski» ist ei­ner der we­ni­gen Be­grif­fe, die uns noch be­wusst aus der fran­zö­si­schen Spra­che über­lie­fert und nicht von ei­nem la­pi­dar klin­gen­den eng­li­schen Aus­druck ver­drängt wor­den sind. Der Deut­sche sagt heu­te «dow­n­loa­den», «per­for­men», «break through» (mit­ ­ge­lis­pel­tem «th») oder auch «af­ter show par­ty», wo­bei das ers­te Wort man­gels kor­rek­ter, weil un­be­ton­ter Auss­pra­che auf dem «a» dann meist so klingt, als gin­ge es dar­um, ein be­son­ders de­li­ka­tes Teil vor­zu­zei­gen. Mä­ßig be­gab­te Ra­dio­mo­de­ra­to­ren ma­chen das vor. Aber zu­rück zu Söl­den und je­nem Après-Ski Event, dem man sich auch dann nicht zu ent­zie­hen braucht, wenn man nicht auf wo­gen­de Men­schen­mas­sen im Bier­zelt steht, dem Ab­sa­cker auf der Berg­hüt­te.
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Ich trin­ke nicht, wenn ich fah­re, was nicht heißt, dass ich nicht ein Bier trin­ke oder auch zwei. Halt nur so­viel, dass es das Fahr­ver­mö­gen nicht ge­fähr­det. Es ist schon ein be­son­de­res Er­leb­nis, wenn die Hüt­ten 700 und mehr Hö­hen­me­ter über dem Ort um 19 Uhr noch gut be­sucht sind und es die her­ein­bre­chen­de Dun­kel­heit ist, die den Gast zum Auf­bruch be­wegt und nicht der Pis­ten­dienst, der die letz­te Kon­troll­fahrt ma­chen will. Es ist Frei­tag und ich ha­be die­se Wo­che mit nur ei­nem ein­zi­gen Sturz über­stan­den, des­sen Fol­gen aber heu­te, sie­ben Mo­na­te da­nach, fast ver­ges­sen sind. Ich nut­ze die Ge­le­gen­heit und keh­re in der Obst­ler­hüt­te auf ein Bier ein, tref­fe Jungs aus der Ge­gend um Kas­sel, die al­le gut 15 Jah­re jün­ger sind und schon gut und lan­ge Ski und Snow­board fah­ren, wie sie sa­gen.
Sölden*
Wir kom­men ins Ge­spräch und quat­schen auch über die An­fahrt, die sie in der letz­ten Nacht ab­sol­viert ha­ben. Sie amü­sie­ren sich köst­lich, dass je­mand mit Tem­po­mat 130 ins Ski­ge­biet auf­bricht: «Wer bei uns 130 fährt, gilt als mü­de und wird um­ge­hend vom Steu­er ent­fernt!». Ich wen­de ein, dass es reicht, wenn man schnell ist auf der Pis­te. Aber die­se Be­mer­kung führt nur zu ei­ner Mi­schung aus La­chen und Mit­leid. Al­so ver­ab­re­den wir, noch ein Bier zu trin­ken und da­nach zu­sam­men zu Ta­le zu fah­ren, da kön­ne ich dann ja zei­gen, ob ich mit­käme.
Ich weiß heu­te nicht mehr, ob ich ih­nen er­zählt ha­be, dass ich am Vor­tag bei ver­gleich­ba­ren Ver­hält­nis­sen die Gig­gi­joch­bahn auf dem Weg ins Tal ab­ge­hängt ha­be. Manch­mal täuscht man sich eben auch in Ver­glei­chen; ich für mei­nen Teil bin an die­sem Abend froh, dass ich Beglei­tung ha­be auf dem Weg zu­rück. Zu­min­dest bis zur über­nächs­ten Kur­ve auf der völ­lig zu Un­recht schwarz mar­kier­ten Pis­te Num­mer 22. Da­nach bin ich wie­der al­lein, las­se den Sulz­schnee un­ter dem Brett klat­schen, hu­sche über die Hü­gel. Die drei Jungs ver­tre­ten al­le Stil­rich­tun­gen des Ski­fah­rens: Car­ving­ski, Snow­board mit har­ter Bin­dung und Snow­board mit wei­cher Bin­dung. Es nützt ih­nen nichts. Sie ho­len mich nur noch ein, weil ich auf sie war­te, und ich war­te, weil ich mich an der Tal­sta­ti­on von Ih­nen ver­ab­schie­den will. Au­ge in Au­ge. Ein­drucks­vol­ler kann ei­ne Rei­se nicht zu En­de ge­hen.