Côte d'Azur

Ein Zwi­schen­ruf

We­gen der Be­schrei­bung der Rei­se­rou­ten hat­ten wir bis­her kei­ne Ge­le­gen­heit, ein Fa­zit zu zie­hen. Ge­stat­ten Sie da­her ei­nen Zwi­schen­ruf. Es gibt Ge­schich­ten, die sind zu kurz für ei­ne ei­ge­ne Sei­te und zu wich­tig, um nicht er­zählt zu wer­den.

Cap du Bénat Ei­ne ist die über den Küs­ten­weg, franz. sen­tier lit­to­ral, der sich vom Camp du Do­maine nach Ca­bas­son zieht, der al­ler­dings im süd­li­chen Ab­schnitt nicht (mehr) pas­sier­bar ist. Ge­naue­re An­ga­ben konn­ten wir nicht er­mit­teln. Ge­sperrt? Ver­fal­len? Es wür­de zu Frank­reich pas­sen, egal aus wel­chem Grund. Er gilt als be­son­ders reiz­voll und er­for­dert fes­tes Schuh­werk. Wie weit man kommt, ha­ben wir nicht aus­pro­biert. Das ist ei­ne Un­ter­neh­mung für ei­nen schö­nen Tag mit falscher Wind­rich­tung fürs Was­ser­ski fah­ren.

Radtour - Route barrée Ei­ne wei­te­re Ku­rio­si­tät gibt es über ei­nen an­de­ren Weg zu be­rich­ten, ei­nen Rad­weg. Es ist sehr schwer, an der Süd­küs­te mit dem Rad zu fah­ren, weil sie sehr steil ist und we­nig Platz lässt am Ufer. Die­sen Raum tei­len sich lu­xo­ri­öse Be­hau­sun­gen und die Er­schlie­ßungs­an­la­gen. Da es meist nur ei­ne ein­zi­ge Stra­ße gibt, ist die­se viel be­fah­ren. Nun sind ein­sich­ti­ge Po­li­ti­ker auf den Ge­dan­ken ge­kom­men, ei­ne al­te Bahn­tras­se als Rad­weg aus­zu­bau­en, da­zu über ei­ne sehr wei­te Di­stanz von mehr als 100 km von Tou­lon über Saint Tro­pez bis Sain­te Ma­xi­me. Der Un­ter­halt ver­sprüht al­ler­dings den ty­pisch fran­zö­si­schen Flair der par­ti­el­len Un­voll­kom­men­heit. Dass Tei­le des Wegs Schot­ter­pis­te sind, geht in Ord­nung und dass man in den Ort­schaf­ten über Ne­ben­stra­ßen fährt, auch. Ei­ne an Frech­heit gren­zen­de Gleich­gül­tig­keit aber ist der Um­gang mit Stre­cken­ab­schnit­ten, die von Un­wet­tern be­schä­digt wur­den. Die­se wer­den kur­zer­hand ge­schlos­sen und blei­ben es lan­ge. Das Rad muss dann wie­der auf die Stra­ße, selbst wenn die­se ei­nen wei­ten Um­weg macht!

Rad-Umweg bei la Croix Valmer Man kann sich über die Stre­cken­füh­rung so man­chen Rad­wegs mas­siv auf­re­gen. Ein groß­ar­ti­ges Bei­spiel fin­det man am Strand bei Croix Val­mer, wo das Rad nicht nur ei­nen wei­ten Bo­gen fah­ren muss, son­dern auch noch 40 Hö­hen­me­ter zu über­win­den sind. Zwi­schen den bei­den Mar­ken be­trägt die Luft­li­nie 1 km. Auf der Stra­ße legt man da­für das Drei­fa­che zu­rück!

Ich woll­te die «Ge­schich­te mit der Amei­se» zu­erst beim Camp du Do­maine ein­rei­hen, aber dann kam mir der Ge­dan­ke, dass auch an­de­re Plät­ze im Sü­den da­von be­trof­fen sein könn­ten. Zu­nächst ist es nicht wei­ter span­nend, wenn man den VW-Bus ein­parkt, sich nach lan­ger Fahrt vor die Kar­re hockt und ei­ne Amei­se, franz. four­mi, über den pro­vi­so­ri­schen Tisch krab­belt. So ist das in der Na­tur! Aber, wenn man am nächs­ten Mor­gen den Kühl­schrank öff­net und fest­stel­len muss, dass ei­ne gan­ze co­lo­nie de four­mis be­reits vor ei­nem da war, ist das mit der Na­tur so ei­ne Sa­che.

Zu­erst be­sorgt man sich Anti-Amei­sen-Spray, das um­satz­stärks­te Pro­dukt des Su­per­markts vor Ort. Da­mit nimmt man die Amei­sen­stra­ße auf dem Au­to­dach un­ter Dau­er­feu­er. Dann be­ginnt die Su­che nach dem Zweig, der den Bus be­rührt, die Un­ter­su­chung der Re­gi­on um die Rä­der und ent­lang des Strom­ka­bels. Äs­te wer­den ent­fernt und die Bo­den­punk­te mit ei­nem Pul­ver, dem zweit­um­satz­stärks­ten Pro­dukt, sorg­sam um­kreist. Wie sag­te doch ei­ne jun­ge Da­me, der Nach­barn mit dem Pul­ver aus­ge­hol­fen hat­ten, so schön? «Das war un­se­re ers­te Nacht oh­ne Amei­sen im Ohr!».