Mit
dem Auslaufen der Fähre ändert sich das Licht und es wird wieder
hell. Unvergleichlich reizvoll ist der Weg des Schiffes durch den Sørøysund
in Richtung Hammerfest. Heute lasse ich mich von dem Schiff treiben
und vom Anblick der Berge so dicht am Wasser verwöhnen. Das Wasser
ist spiegelglatt. Ich treffe eine nette junge Dame und wir unterhalten
uns an der Reling. In dieser Nacht finde ich keinen Schlaf. Bereits
am frühen Morgen bin ich in der nördlichsten Stadt der Welt wieder
auf festem Boden. Und die Infrastruktur bietet mir die Möglichkeit,
die völlig zerzauste Kette zu wechseln. Zur Sicherheit kaufe ich eine
neue Decke für das Hinterrad.
*
Da ich keinen Wecker habe, bin ich dazu verdammt, die Nacht zu durchwachen,
um die Fähre, die um 5.30 Uhr ausläuft nicht zu
verpassen. Sie Schiffe der Hurtigruten fahren jeden Hafen jeden Tag zweimal
an: Einmal in Richtung Norden und einmal in Richtung Süden. Einmal
aussteigen bedeutet 24 h warten. Dafür legen die Schiffe
an un ab, als seien es Autobusse. Nur wenige Minuten später ist das
Schiff wieder unterwegs. Gerade genug Zeit, ein Fahrrad über die steile
Gangway an Bord zu bringen.
Nach
zwei Tagen und Nächten ohne Schlaf falle ich an Deck der MS Vesterålen
in einen todähnlichen Schlaf, aus dem ich aber schon drei Stunden
später wieder erwache. Vor uns fährt ein Handelsschiff durch
die stillen Fluten des Nordmeers. Nur noch wenige Kilometer bis Magerøya,
jener Insel, auf der das Nordkapp liegt. Der
Stempel der Jugendherberge von Honningsvåg, dem Hauptort der Insel,
ist der wertvollste Stempel in meinem Fahrtenbuch...
*
Ich lade das Rad ab und verstaue einen guten Teil der Reiseutensilien in
der JH. Nur mit einem geringen Teil Verpflegung, Flickzeug und der unverwüstlichen
Kamera
mache ich mich auf den Weg zu jenem Punkt, der noch etwa 30 km entfernt
ist: Zum Nordkapp. |